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Music › Ein Freund von mir - Der Soundtrack

Electronica / Dance

Ein Freund von mir - Der Soundtrack

Various Artists
(Warp Records/Rough Trade)

Bei einem perfekten Soundtrack hörst du immer nur diesen einen Moment. Musik wie ein Meer. Im Rauschen ganz unten am Grund, wo kaum ein wärmender Lichtstrahl hinreicht, dort erklingt ein Lied, so unscheinbar und flüchtig wie sein tieftrauriger Text: "Ich bin der Welt abhanden gekommen". Es ist eines der unendlich melancholischen "Kindertodtenlieder" des Dichters Friedrich Rückert (1788 - 1866), vertont von Gustav Mahler und wie beiläufig ins Leben gehaucht von Sabine Timoteo. Ein Stückchen weiter oben, dort, wo es schon Leben gibt, erklingt eine Liebeserklärung auf Spanisch. Es könnte fast ein Echo auf dem Film sein, ein Reflex auf den magischen Moment, in dem zwei Liebende im Exotischen eine gemeinsame Sprache finden: "Te Quiero Pero Por Otro Lado ..." von Savath & Savalas. Dahinter verbirgt sich der DJ Scott Herren, den es aus Atlanta in den USA nach Barcelona in Spanien und schließlich nach England verschlagen hat, wo er für das Label Warp unter mehreren Pseudonymen (u.a. Prefuse 73) tätig und ständig in kreativer Bewegung ist, von  der Welt der Elektronik in die der Akustik ? wie auch Sebastian Schipper, Regisseur von EIN FREUND VON MIR, bei seiner Arbeit am Drehbuch "immer Elektro oder aber klassisches Klavier" vorschwebte, bevor er die hypnotischen Popgitarre von Nick Talbot gehört hat. Ebenso wird es auch Warp ergangen sein, als es Talbott und seine Band Gravenhurst unter Vertrag nahm? Immerhin stand das Label, dessen Musik auch Thom Yorke von Radiohead hörbar verfallen ist,  jahrelang für avancierteste Elektronik von Aphex Twin bis Squarepusher.  Doch es bedarf nicht viel Phantasie, sich den entzerrten Avant-Folk von ohnehin schon filmisch angelegten Gravenhurst-Titeln wie "Entertainment", "The Velvet Cell" oder "Animals" als lyrischen Score für einen poetischen Film vorzustellen. Mit beeindruckender Dynamik changiert hier Gravenhursts "ghostly modern folk beauty" (Mojo) zwischen Leere und Dichte, Schwerelosigkeit und Wucht, tödlicher Betrübnis und himmelhohem Jauchzen: "I wonder what you're doing right now". Wow.

Sanft abgefedert wird soviel Melancholie von einer der spannendsten Bands unserer Zeit, dem Trio International Pony (DJ Koze, Cosmic DJ und Erobique). "Dance Without Fear" erinnert mal an die organisch-mollgesättigten Beats von Boards Of Canada, mal an die fluffige Melodik von Air und ist trotz seiner Single-Qualitäten auf dem aktuellen Album ("Mit dir sind wie vier") nicht zu finden. Lässiger Funk, gelassene Würde und Witz ? wie ließe sich die lebhafte Albernheit zwischen zwei ungleichen Freunden besser instrumentieren als in Songs wie "Les Parapluies De Saint Georg"? Was aber könnte so unterschiedliche Genres, Künstler und Tracks vereinen, zu einem homogenen Ganzen verschnüren und krönen? Wer hat die entspannte Präzision, um auf der Schaumkrone einer Springflut zu tanzen? Wovon könnten nächtliche Autobahnfahrten intensiver begleitet werden als von den fragil hingetupften und trotzdem autobahnbrückenlangen Spannungsbögen von ? Talk Talk? Hoffnungslos, eigentlich. Denn Talk Talk gehört zu den sehr wenigen erfolgreichen Popbands der Achtziger, die mit den Jahren nicht zu einer Karikatur ihrer selbst wurde, sondern zu einer Legende. Ihre späten Platten, "Spirit Of Eden" oder "The Laughing Stock", waren ihrer Zeit so weit voraus, dass die von ihnen gelegte Latte heute noch nicht gerissen ? geschweige denn übersprungen ? worden ist. Mastermind Mark Hollis meint "I like the project". Vier Worte. Mehr hätte man über EIN FREUND VON MIR, mehr hätte man zu diesem kongenialen Soundtrack nicht verlieren müssen.


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